One moment one story

Jeder Moment erzählt eine Geschichte.

Monat: November 2016

Alles Käse (2016)

Viele Menschen gewinnen ihr Bild von Polizeiarbeit nur durch Krimis im Fernsehen. Die – nun ja, nicht so ganz der Realität des Polizeialltags entsprechen. Wenn in meinen Geschichten Polizisten eine Rolle spielen, versuche ich daher immer es etwas realitätsnäher zu beschreiben. Inklusive seltsamer Abkürzungen und Beamtensprache 🙂

Alles Käse

Das Telefon vibrierte auf ihrem Nachttisch. Tilda schreckte hoch und griff es bevor es auf den Boden fiel.
„Ja?“
„Es tut sich was auf der TKÜ.“
„Ja, und? Dafür musst Du mich um“, sie blickte auf den altmodisch tickenden Messingwecker. „Drei Uhr morgens wecken? Die haben die letzten Tage schon mehr telefoniert, falls Du es nicht mitbekommen hast.“
„Sie sagen Dinge, die wir nicht ganz deuten können. Und der Sänger ist offensichtlich in den USA.“
„Weiß der Polizeiführer schon davon?“
„Nein, wir verstehen ja nicht alles und…“
„Schon gut. Ich komme. Welcher Dolmetscher ist da?“
„Raif.“
„Er soll Frederic holen.“ Weiterlesen

Politik (vor der Präsidentschaftswahl)

Diesen Text habe ich am 07.11.2016 per Skype im Café Cralle, Berlin, gelesen.

Morgen sind Wahlen. Ein Wahlkampf den ich von Deutschland aus mit Erstaunen, Entsetzen und Abscheu beobachtet habe. Hier ist er nicht so omnipräsent im Stadtbild wie es bei deutschen Wahlkämpfen der Fall ist. Bei den enormen Spendensummen von denen immer die Rede ist, die jede*r Wahlkämpfer*in sammeln muss, hätte ich gedacht, dass das Land mit Plakaten gepflastert ist. Als ich in einer Bar bin, kommt in einer der zahlreichen Pausen während des Baseballspiels ein Werbespot für Donald Trump. Die anderen an meinem Tisch schütteln alle ungläubig den Kopf. Nun ja, das sind alles Europäer, von daher nicht repräsentativ. Weiterlesen

Was kostet die Welt (in den USA)?

Es ist schon länger in Europa bekannt, dass in den USA viele Menschen mehrere Jobs haben müssen, um über die Runden zu kommen. Aber mir hat sich nie so ganz erschlossen warum das eigentlich so ist. Allmählich beginne ich zu verstehen. Lebensmittel und Alltagswaren sind teilweise teurer. Vor allem beim Einkaufen und Essen gehen kann man fiese Überraschungen erleben, weil auf den Preis, der am Lebensmittel steht, immer noch eine Steuer aufgeschlagen wird. Man weiß vorher also nie wie hoch der Preis am Ende tatsächlich ist. Ein Glas Honig kostet 10 Dollar. Eine Rolle Backpapier 4,50 Dollar. Bio-Joghurt 8 Dollar. Ein Sixpack Softdrinks allerdings nur 2,50 Dollar. Ein Bier in einer Bar 6-10 Dollar. Ein Glas Wein 8-15  Dollar. Weiterlesen

Neues Zuhause

Nach einem Monat in den USA habe ich Anfang November die nächste große Veränderung bewältigt: Den Umzug in die permanente Wohnung. Die Übergangswohnung in Downtown, Lake/Wells Street, 42. Stock, gefiel mir wirklich sehr gut, aber ich habe mich jetzt auch auf die neue Wohnung gefreut.

Downtown ist spannend, aber vor allem auch sehr laut. Ständig quietschten und rumpelten die Züge unter mir lang, Tag und Nacht waren immer wieder Sirenen zu hören und dieses kontinuierliche Großstadtbrummen. Kennt ihr das? Mir ist es zum ersten Mal in New York City aufgefallen. In Berlin ist es auch zu hören, wenn auch nicht überall. Und in der Mitte von Chicago hat es mich auch begleitet.

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Bye, bye Wolkenkratzer!

Meine neue Wohnung liegt im sogenannten Roscoe Village. Dem „Dorf in der Stadt“. Klingt nach Prenzlauer Berg, oder? Ist auch so ähnlich. Mich scheint so was anzuziehen. Gebürtig komme ich aus einer niedersächsischen Kleinstadt. Nach dem Abitur hatte ich das Bedürfnis, sofort in eine größere Stadt zu ziehen. Brühl, Wiesbaden, Freiburg, Wiesbaden, Berlin – und nun Chicago. Die Städte sind größer geworden. Aber irgendwie bin ich immer in Vierteln mit kleinen Läden, außergewöhnlichen Cafés und Parks gelandet, die einen dörflichen Charakter haben.  Vielleicht braucht meine Kleinstadtseele doch ein beschränkteres Terrain? Glücklicherweise lässt sich das auch in Großstädten finden.
Auf jeden Fall ist es hier in Roscoe Village sehr entspannt. Breite Gehwege, viele Leute mit Kindern, nette Cafés, zwei Kaffeeröstereien in unmittelbarer Nähe, Restaurants, ein Weinladen, ein Buchladen… was will ich mehr?!