Auch wenn Chicago eine tolle Stadt ist, ist es sehr spannend andere Staaten rund um Illinois zu entdecken.

Am letzten Wochenende war kinderfreies Wochenende angesagt!

Als erstes ging es nach Champaign (Illinois) wo ich bei einem Importeur von Harmonium Instrumenten mehrere Harmoniums (Harmoniä, was ist die Mehrzahl?!) ausprobieren konnte.
Das Hotel Frühstück war typisch amerikanisch. Es gab nur Pappteller und Plastikbesteck. Man konnte sich Waffeln machen indem man aus einem Automat Waffelteig in einen Pappbecher zapfte, diesen in das Waffeleisen schüttete und dann die Waffel auf dem Pappteller „genießen“ konnte. Schmeckte irgendwie seltsam…

Aber dann ging’s zum Musizieren! Ein Harmonium ist die indische Schwester des Akkordeons, ein sogenanntes Windinstrument. Es ist ein kleiner Kasten mit einer Klaviatur (2-3 Oktaven), einem Blasebalg und mehreren Stiften mit denen man den Basiston feststellen kann. Neben klassischer indischer Musik wird es auch von vielen Yogalehrern eingesetzt, da man darauf wunderbar lange entspannende Töne spielen kann. Beim Jivamukti Yoga, das ich in Berlin praktiziert habe, wird es sehr viel verwendet, da bei diesem Yoga-Stil Musik eine sehr große Rolle spielt. Eine meiner Lieblingslehrerinnen hier in Chicago nutzt es auch oft in ihren Stunden und ich durfte auf ihren Instrumenten schon mehrmals spielen. Aber irgendwie konnte ich mich vor Ort nicht entscheiden. Die Geräte sind sehr sensibel und obwohl es mittlerweile sogenannte Reise-Harmoniums gibt, sind sie mit ca. 10kg keine Leichtgewichte. Also schwierig auf dem Fahrrad – meinem bevorzugten Transportmittel – zu transportieren. Also habe ich die Entscheidung erstmal aufgeschoben. Ich werde nochmal darüber meditieren…

Dann ging es weiter nach Indiana, ein Nachbarstaat von Illinois (mit übrigens sehr laschen Waffengesetzen).
Über Indianapolis, die Hauptstadt von Indiana, hatte ich viel Schlechtes und nicht viel Gutes gehört. Daher war ich sehr überrascht wie schön die Stadt ist. Das Regierungsviertel ist beeindruckend und kann es durchaus mit seinem Äquivalent in Berlin aufnehmen!

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kanal des White River fließt durch Indianapolis und wurde zu einem sehr schönen Spazierweg ausgebaut.

Außerdem wurde ein gigantisches Kriegsdenkmal (World War Memorial) gebaut, das mich in seiner Architektur an die Architekturpläne von Speer und Hitler erinnert hat. Es wurde ursprünglich gebaut, um die Soldaten des Ersten Weltkriegs zu ehren. 

 

 

 

 

 

 

 

In Indianapolis kann man auch super ausgehen. Als erstes landete ich in einer Distillery, die von einem gelangweilten Physiker und einem Ingenieur gegründet wurde. Dort werden Rum, Wodka (ganz okay), Gin, Whisky (bäh!) und Liköre (sehr gut) destilliert.


Die Suche nach einem vegetarischen Restaurant in der Innenstadt verlief leider erfolgos, so dass ich in der St. Joseph Brewery landete. Eine katholische Kirche, die zu einer Brauerei umfunktioniert wurde. Die Atmosphäre ist wirklich spannend, da man in dem riesigen Kirchenschiff sitzt, umgeben von beeindruckenden Braukesseln. Das Bier war leider ziemlich wässrig und enttäuschend. Das Essen auch. Aber am Nebentisch saß eine Frau mit deutschen Vorfahren, die uns gleich angesprochen hat, als wir deutsch gesprochen haben. Das ist mir schon öfter passiert, dass Amerikaner mit deutschen Vorfahren sich freuen, wenn sie erkennen, dass ich deutsch spreche und dann ihre Deutschkenntnisse wieder hervorkramen können.

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag ging es noch zum Indianapolis Motor Speedway, einer Autoren nstrecke. 1909 fand hier das erste Rennen statt. Damals wurden die Rennautos zu zweit gefahren, von einem Fahrer und einem Mechaniker. Das traditionelle Rennen ist das Indy 500 (500 Meilen=200 Runden). Im Laufe der Jahre haben sich „lustige“ Traditionen entwickelt. Zum Beispiel hat Louis Meyer sich nach seinem Sieg 1936 eine Flasche Buttermilch reichen lassen und sie auf der Ziellinie getrunken. Nach dem Krieg, als die Rennen wieder aufgenommen wurden, hat es sich seit 1956 als Tradition entwickelt, dass der Gewinner nach seinem Sieg eine Flasche Milch trinkt (diese Tradition wurde natürlich von der Milchindustrie gefördert und gesponsort). Irgendwann in den 1990ern hat ein Gewinner sich die Milch dann über den Kopf geschüttet anstatt sie zu trinken – eine neue Tradition war geboren. Der Belag der Rennstrecke wurde seit 1909 mehrfach erneuert, ein schmaler Streifen der ursprünglichen Ziegelsteine wurde auf der Zielgerade  erhalten. 1996 hat Dale Jarrett nach seinem Sieg im Nascar Rennen diese Steine geküsst und daraus ist die Tradition entstanden, dass nun jeder Gewinner die Steine küsst. Und jeder Besucher, der die „Kiss the Bricks“ Tour macht… Ich bin dafür, dass jeder Gewinner auch noch eine Yoga-Pose auf der Ziellinie macht!

Von 2000-2007 war der Indy Speedway auch Formel 1-Rennstrecke, natürlich hat fast immer Michael Schumacher gewonnen.
Es gibt auch ein Museum in dem viele Rennautos von 1909 bis zur Jetzt-Zeit ausgestellt sind.

Fazit:
Das Wochenende war sehr schön! Die Leute in Indiana sind nett und gut zu verstehen. Indianapolis war schön und wirkte irgendwie ordentlicher als Chicago. Außerhalb von Indianapolist ist Indiana ziemlich langweilig. Riesige Farmen mit riesigen Massentierhaltungsställen, viele Windräder und schlechte Autobahnen.

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