In Deutschland und vielen anderen Ländern auf dieser Welt hat sich der SARS-CoV2 Virus zu einer Pandemie ausgewachsen. Mit drastischen Maßnahmen soll die Ausbreitung verlangsamt werden, damit unsere Gesundheitssysteme nicht kollabieren. Es fühlt sich komisch an, plötzlich so in der persönlichen Freiheit beschränkt zu werden. Auch die Stimmung zwischen den Menschen hat sich verändert, finde ich. Feindselige, misstrauische Blicke werden gewechselt. Man weiß ja nie ob jemand, der/die sich bereits infiziert hat, seelenruhig noch durch den Park spaziert, sagen diese Blicke. Oder im Supermarkt wird verzweifelt nach Toilettenpapier und Hefe gesucht. Ich muss zugeben, dass diese totale Lebensumstellung immer noch nicht ganz bei mir angekommen ist, ich immer noch Probleme habe mich damit abzufinden, geschweige denn anzufreunden. Wenn ich das alles genauer reflektiert habe, werde ich hier auf diesem Blog mehr dazu schreiben.

Aber jetzt möchte ich euch einen Videotipp vorstellen. Falls eure „to watch“ Liste allmählich schrumpft… Auf Amazon Prime gibt es die US-amerikanische Serie „Six“, die von einem Navy Seal Team handelt.



Ich habe nicht allzu viel erwartet, als ich die erste Folge angeschaut habe. Amerikanische Serie über eine militärische Spezialeinheit – das ist bestimmt pathetisch und übertrieben. Um so überraschter war ich von Folge zu Folge.

Die Serie besteht leider nur aus zwei Staffeln, nach der zweiten Staffel war (wohl eher unfreiwillig) Schluss. Was ich sehr schade finde, da einige Handlungsstränge unvollendet in der Luft hängen bleiben. Ich mag ja offene Enden, aber bei Serien ist es schade, wenn man sich gerade an die Charaktere gewöhnt hat und dann die Serie schon wieder beendet ist.

Worum geht es?
Die Serie handelt von einer Einheit der Navy Seals. Das ist eine Eliteeinheit der US-amerikanischen Marine, die für (meist) verdeckte Spezialeinsätze im Ausland eingesetzt wird. Die erste Staffel beginnt 2014 in Afghanistan. Teamleiter ist Rip (Richard), dann kommen die drei alten Hasen des Teams Alex, Bear (Joseph) und Buddha (Ricardo). Weitere Teammitglieder wie Fish (Armin Khan), Buck und Chase sind ihnen untergeordnet und bekommen erst in der zweiten Staffel mehr Raum zur Charakterentwicklung.

Handlung
Das Navy Seals Team wird auf einigen Einsätzen in Afghanistan begleitet. Die Einsätze sind brutal, es wird schnell und viel geschossen, bzw. in die Luft gesprengt. Bei einem Einsatz erschießt Rip einen jungen Mann, der sich schon ergeben hatte und um Gnade bat, da er auch Amerikaner sei. Im Team herrscht Uneinigkeit, ob diese Tötung zu rechtfertigen war oder nicht. Es wird nicht gezeigt bis zu welcher Ebene der Konflikt ausgetragen wurde und welche Teammitglieder sich wie positioniert haben. Stattdessen springt die Erzählung zwei Jahre weiter. Das Seals Team trainiert, allerdings ohne Rip. Der arbeitet in Lagos, Nigeria, als Security-Mitarbeiter bei einer Privatfirma. Nach einer durchzechten Nacht muss Rip böse verkatert in den Dschungel mitfahren, um einen Fototermin eines Erdöl-Unternehmens bei einer Mädchenschule zu bewachen. Die Lehrerin, Naomi, ist erbost über die Publicity und bittet die Männer zu gehen. Rips sechster Seals Sinn wird aktiv – er spürt den Angriff der Terroristen von Boko Haram bevor sie aus den Büschen springen. Allerdings kann er, nur mit einer Pistole bewaffnet, den Angriff nicht abwehren, so dass er, die Schülerinnen und die Mitarbeiter der Erdöl-Firma als Geisel genommen werden. Die weiteren Folgen drehen sich nun darum, dass die Entführung der Schulmädchen und des Ex-Navy Seals schnell dem US-Militär und kurz danach auch der Presse bekannt werden. Das ehemalige Team von Rip setzt nun alles daran ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Dabei haben die Männer immer wieder mit privaten Problemen zu kämpfen. Ricky wollte eigentlich das Team verlassen und bei einem privaten Sicherheitsunternehmen anheuern, da die Schuldenlast für das Haus und die Schulgelder seiner Kinder die Familie erdrücken. Nun bleibt er bei den Seals um Rip zu befreien – sehr zum Ärger seiner Frau.
Bear und seine Frau Lena waren Eltern einer Tochter namens Sara. Nach einigen Folgen lernt man, dass diese im Alter von wenigen Monaten am plötzlichen Kindstod gestorben ist. Lena wünscht sich nun ein weiteres Kind. Bear macht ihr zuliebe mit. Doch der Druck wieder schwanger zu werden und die – bei beiden – nicht ausreichend verarbeitete Trauer über den Verlust ihres Kindes führen zu gewaltigen Eheproblemen.
Alex hat eine Tochter, Dharma, die 18 oder 19 Jahre alt ist, zu der er bislang nur wenig Kontakt hatte. Nun will sie auf einmal bei ihm unterkommen, da sie sich mit ihrer Mutter und deren neuem Freund nur streitet. Alex, der sein freies Leben mit wechselnden sexuellen Beziehungen zu mehreren Frauen genießt, ist überfordert von dieser plötzlichen Nähe und der für ihn ungewohnten Vaterrolle.

In der Serie spielt außerdem Michael Nasry noch eine große Rolle. Er ist ein islamistischer Terrorist und der Bruder von dem Kämpfer, den Rip in der ersten Folge damals in Afghanistan erschoss. Als er mitbekommt, dass Rip von Boko Haram gefangen gehalten wird, setzt er seine ganze Energie und seine gute Position in der Terrororganisation aufs Spiel, um Rip in die Finger zu bekommen.

Wie hört sich das für euch an?
Stumpfe Action, rührselige Geschichten… Wie gesagt, ich habe nicht viel erwartet, aber ich war wirklich angetan von dieser Serie. Ich finde, dass die Actionszenen sehr gut gefilmt sind. Ja, sie sind teilweise brutal. Aber anderseits wirken sie auch sehr realistisch, z.B. variieren die Schussgeräusche je nach verwendetem Projektil. Die Serie gibt auch einen guten Einblick in das taktische Vorgehen von Spezialeinheiten mit fest verteilten Positionen und Spezialzuständigkeiten im Team, restriktiver, genau festgelegter Kommunikation und sehr, sehr viel Equipment, das immer mitgeschleppt werden muss. Auch die unbedingte Dienstbereitschaft, die von Spezialeinheiten verlangt wird, wird thematisiert. Es mag sich toll anhören in einer Eliteeinheit zu sein, allerdings bedeutet es auch, dass einen ständig ein Anruf der Zentrale erreichen kann und dann muss man in 30 Minuten im Headquarter sein. Auch wenn man gerade surfen wollte, auch wenn man gerade eine Auseinandersetzung mit seiner Frau hat – alles muss hinter dem Dienst zurückstehen. Wie sehr das Angehörigen zu schaffen macht, wird offen und schmerzhaft gezeigt.

Wieviel Pathos ist enthalten?
Ich war überrascht wie tief diese Serie moralischen Fragen nachgeht und wie viele Ambivalenzen den Charakteren zugestanden werden. Die Serie beginnt mit der Entscheidung von Rip in Afghanistan den jungen Kämpfer zu töten und der darauffolgenden moralischen Diskussion ob man Kombattanten, die sich ergeben haben, töten darf beziehungsweise vielleicht sogar muss, da sie sonst nach kurzer Zeit wieder eine Bedrohung darstellen könnten. Dies ist eine Frage, die seit den 1970er Jahren auch in der Philosophie diskutiert wird unter dem Paradigma „Just war“ oder „Der gerechte Krieg“ (Buchtipp: „Just and unjust wars“ von Michael Walzer). In der zweiten Staffel kommen auch Szenen vor, die in Geheimgefängnissen der CIA in Osteuropa spielen. Ich war überrascht, dass in einer US-amerikanischen Serie die Existenz von CIA-Geheimgefängnissen und die Folter von deren Insassen ganz offensiv gezeigt werden. Natürlich wurde das in den letzten Jahren in der US-Politik immer wieder diskutiert, aber oft genug wurden die Existenz dieser Einrichtungen und die Foltervorwürfe von US-Politikern heruntergespielt. Auch die Einblicke in die internen Machtkämpfe in der CIA, die in der zweiten Staffel gezeigt werden, zeigen wie korrupt und widerlich im Auslandsgeheimdienst der US-Amerikaner gearbeitet wird.

Fazit

Six ist eine spannende, actiongeladene Serie, die eine andere Sicht auf den „war on terror“ liefert. Was dieser seit bald 20 Jahren andauernde Konflikt mit den Menschen macht. Dass die Menschen, die an der Frontlinie ihr Leben riskieren – für ihr Land, für die westliche Welt – wenig Dank für ihre Arbeit erfahren. Stattdessen haben sie alle mehr oder weniger konfliktäre Beziehungen zu ihren Familien. Das Innenleben der Terroristen, das auch gezeigt wird, finde ich weniger überzeugend. Der jahrelang gepflegte Hass kommt mir etwas zu holzschnittartig daher. Außerdem mochte ich die Alltagsszenen in den USA, weil mir vieles aus meiner Zeit, als ich in den USA gelebt habe, vertraut erschien: Die Einrichtung der Cafés, überdimensionierte Autos. Dazu gehören auch die stark geschminkten Frauen, die versuchen ihre Gefühle mit einem gekünstelten Lächeln zu überspielen. Allen geht es immer gut, aber eigentlich ist gar nichts gut.

Ich fand die erste Staffel besser und packender als die zweite Staffel. In der zweiten Staffel erfährt man zwar noch mehr über die anderen Mitglieder des „Six“-Teams, allerdings sind einige Charakterentwicklungen (vor allem von Bear) unlogisch und haben mich öfters geärgert. Auch die Intervention der CIA ist insgesamt nervig, weil erratisch und zu sehr von persönlicher Betroffenheit geleitet.

Von daher gucke ich lieber immer wieder die erste Staffel. Ich empfehle übrigens dringend sie im englischen Original zu schauen. Die Übersetzung und die Synchronstimmen sind wirklich mies.

Bestes Geräusch: Das Maschinengewehrfeuer aus den Hubschraubern.

Also, falls ihr die Serie nun schaut: Viel Spaß dabei!

Falls ihr sie nicht schaut: Vielen Dank fürs Lesen!

Ihr könnt mir gerne einen Kommentar hinterlassen wie ihr die Serie fandet oder welche Serien ihr in dieser Zeit empfehlt.

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