Es ist schon länger in Europa bekannt, dass in den USA viele Menschen mehrere Jobs haben müssen, um über die Runden zu kommen. Aber mir hat sich nie so ganz erschlossen warum das eigentlich so ist. Allmählich beginne ich zu verstehen. Lebensmittel und Alltagswaren sind teilweise teurer. Vor allem beim Einkaufen und Essen gehen kann man fiese Überraschungen erleben, weil auf den Preis, der am Lebensmittel steht, immer noch eine Steuer aufgeschlagen wird. Man weiß vorher also nie wie hoch der Preis am Ende tatsächlich ist. Ein Glas Honig kostet 10 Dollar. Eine Rolle Backpapier 4,50 Dollar. Bio-Joghurt 8 Dollar. Ein Sixpack Softdrinks allerdings nur 2,50 Dollar. Ein Bier in einer Bar 6-10 Dollar. Ein Glas Wein 8-15  Dollar.

Dann sind die Mieten hier um einiges höher als in Deutschland. Ich kenne die Berliner Situation, habe bei der letzten Wohnungssuche auch geflucht, weil die Mieten so gestiegen sind und ich noch Zeiten mit ganz anderen Mietpreisen kenne. Wir hatten uns für unsere 2-3 Zimmerwohnung in Chicago ein Limit von 3.000 Dollar gesetzt. So richtig viele Angebote gab es für dieses Budget im Bereich inneres Chicago nicht. Und bei vielen klafften Anspruch (Bilder im Inserat) und Wirklichkeit sehr weit auseinander. Alte dreckige Badezimmer, seltsame Heizungsanlagen, der angepriesene Gemeinschaftsgarten wird offensichtlich als Hundeklo genutzt, die Bahnlinie wurde nicht erwähnt, aha, erster Stock kann also auch Keller heißen, ein Zimmer ohne Fenster ist auch ein Zimmer, usw. Irgendwie haben wir dann eine Wohnung gefunden, mit Hilfe einer Maklerin (die hier vom Vermieter bezahlt wird). Groß, drei Schlafzimmer, zwei Bäder (wer soll und will das putzen?!), leider weiter vom See weg als geplant. Zur Innenstadt, Downtown Chicago, ist man eine halbe bis dreiviertel Stunde unterwegs.

Ach ja, ich war bei den Ausgaben. Das Kind hat allmählich Interesse an anderen Kindern und soll ja auch Englisch lernen, von daher möchten wir ihn in einen Kindergarten stecken. Ich schaue mit der Dame vom Relocation Service, die uns bei Behördengängen etc. behilflich ist, mehrere an.

Der, den wir wählen, verlangt den Durchschnittspreis. 1287 Dollar im Monat für drei Tage die Woche. Gute 100 Dollar pro Tag. Da muss man schon erst mal einen Job haben, der die Ausgaben für Kinderbetreuung wieder reinbringt! Ich weiß noch nicht genau wieviel ich als Yogalehrerin verdienen werde. Aber schon jetzt ahne ich, dass es, wenn ich keine Privatstunden gebe, nicht genug sein wird, um den Kindergarten zu bezahlen. Ich könnte noch Deutschunterricht geben und in einem Café arbeiten. Schwupps, bin ich bei drei Jobs…

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